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Ecke Zieglergasse / Westbahnstraße, 1070 Wien, 05.02.2010 bis 11.06.2010
Wiens Offener Bücherschrank

WIEN (JOKERS) – Auf den ersten Blick wirkt der kleine Kasten, der in der Zieglergasse auf dem Bürgersteig steht, wie abgestellter Sperrmüll. Die Seiten sind aus zementgebundenen Holzfaserplatten zusammengebastelt, in lackierte Stahlrahmen eingelassen, geben Türen aus bruchsicherem Kunststoffglas den Blick auf eine willkürliche Büchersammlung frei, das gesamte Konstrukt ist schief gebaut. Schön ist er nicht, Wiens erster Offener Bücherschrank. Die fehlende Ästhetik der kleinen Selbstbedienungsbibliothek ist aber kein Zufall. Vielmehr soll die Bauweise vor unvorteilhaften Witterungen oder Vandalismus-Attacken schützen.


Die Kosten für das gesamte Unterfangen in Höhe von etwa 1.700 Euro hat Frank Gassner, der Initiator des Projekts, aus eigener Tasche bezahlt. Buchfreunde dürfen kommen, wann immer sie Zeit finden (der Schrank ist 24 Stunden am Tag geöffnet) und zwischen den rund 250 Büchern auf drei Ebenen nach dem Richtigen stöbern. Wer möchte, kann umgekehrt ein schon bekanntes oder unerwünschtes Buch aus seinem Repertoire in den Schrank stellen.


"Open-Air-Bibliotheken" immer beliebter


Neu eingetroffene Exemplare werden dann mit einem Aufkleber versehen, den man ebenfalls im Schrank vorfinden kann. Damit solle gezeigt werden, dass die im Schrank befindlichen Bücher nicht gegen Geld getauscht würden.


Wiens Offener Bücherschrank ist nicht der erste seiner Art. Bereits 1990 entwarf das Aktionskünstler-Duo Clegg & Guttmann Installationen der kleinen "Open-Air-Bibliotheken", die unter anderem in Hannover, Darmstadt und Graz umgesetzt wurden und dort heute noch zu sehen sind.


Somit ist Frank Gassner zwar nicht der Erfinder des Bücherschrankes, er ist aber ohne Zweifel derjenige, der dieses wunderbare Projekt nach Wien gebracht und die Hauptstadt somit ein kleines Stückchen bunter gestaltet hat.


Von Lena Werner

Weblink Wiens Offener Bücherschrank
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